Bezirksliga Lahn-Eder 2024/25 am 19. Januar 2025
SSG Hungen-Lich 2 - ST Großen-Buseck 1
Am vergangenen Sonntag gab es wieder mal einen Spieltag zum Genießen.
Die beiden kleineren Flaggschiffe unseres Vereins (2. + 3. Mannschaft) sorgten wieder dafür , das die SSG auch mit all Ihrer Jugendarbeit ( Markus Benz sei dank ! ) den richtigen aber auch notwendigen Weg eingeschlagen hat.
Während die SSG 3 , immerhin mit 2 absoluten Newcomern besetzt , 3 : 1 in Heuchelheim gewann ( Glückwunsch nochmal dafür) , sorgte die SSG 2 dann doch ein klein wenig mehr für " Herzflattern".
Schließlich war aber auch bei diesem spannenden Heimspiel das 3,5 : 2,5 eingetütet. Dass die Konkurrenz an dem ein oder anderen Brett durchaus auch Schach spielen kann, hat man wieder mal gesehen und jeder dieser 4 Siege war mehr oder weniger "Harte Arbeit" am Brett.
Aber erst einmal der Reihe nach.
Brett 1 mit Mannschaftsführer Stiller erwischte diesmal keinen rosigen Tag.
Aus den mir eigentlichen gut bekannten 4 Bauern Angriffen in der Aljechine Verteidigung liefen mir die ersten 10 Züge relativ gut aus der Hand.
Aber dann muss Schwarz eine Entscheidung treffen, rochiert man lang oder kurz. Bis dato kannte ich nur Stellungen mit der langen Rochade und sehr scharfem
Spiel.
Die Computer Empfehlung ist allerdings die kurze Rochade mit nahezu Ausgleich. Allerdings muss Schwarz hier sehr genau spielen , da Weiß in diesen Stellungen immer schöne Raum Vorteile hat und nach 10...Dd7? ( an der falschen Stelle) bekommt Weiß Vorteil.
An Brett 2 wählte Michael Ranft ein trickreiches Damenbauernspiel, das an eine Art Blackmare / Diemer erinnert, nur ohne das Bauernopfer auf e5.
Schon mit dem frühen Sc3 erwischte Michael seinen Gegner auf dem falschen Fuß, der mit 4... c5! durchaus hätte in Vorteil kommen können.
Aber wenn man etwas nicht kennt, spielt man eher etwas vorsichtiger. Ab dem 08. Zug spielte Müller kein gutes Schach mehr und Weiß gewann immer mehr die Oberhand.
Vielleicht war die Stellung nach dem 10. De2 von Weiß immer noch im Gleichgewicht, aber Schwarz bekam Interesse, sein Spiel nur mit einer Figur fortzusetzen und zog bis zum 14.Zug seinen schwarzfeldrigen Läufer 5mal !
An Brett 3 spielte Silas Hölß durch den Ausfall von Vater Manuel ein Brett weiter vorn und es war ordentlich Druck auf dem Kessel, auf Grund der letzten Spieltage, die nicht so toll liefen.
Gegen Neumann,Patrick, kam eine Holländische Eröffnung auf das Brett, was von Fam. Hölß durchaus öfter gespielt wird. Bis zum 9.Zug war Silas durchaus auch noch in seiner Theorie.
Jedoch nach 9. Lc4+ 9....d5? ist die weiße Stellung schon deutlich besser und man hätte das Schach besser mit Kh8 beantworten sollen, denn mit dem Zug d5? versperrte Silas sich selbst die wunderschöne Diagonale für seinen weißfeldrigen Läufer. Weiß spielte jetzt weiterhin sehr genau und mit deutlichem Vorteil. Als es jedoch dann zum Damentausch kam im 21.Zug, änderte sich das Bild und Silas konnte etwas aufatmen.
Brett 4 war diesmal von unserem bisher sehr konstant auftretenden Sascha Nitz besetzt. Sascha gilt in dieser Saison als absolut sichere Bank für Punkte.
Sascha mit Weiß , das bedeutet, man bekommt in der Regel einen Engländer pur von ihm aufs Brett.
In der sogenannten Symmetrie Variante fanden beide Spieler nicht immer die besten Züge ( Schwarz dachte nicht mal annähernd über den Bauernhebel b6! nach und Sascha hätte vielleicht seinen starken weißfeldrigen Läufer nicht tauschen sollen):
Allerdings blieb auch hier die Stellung sehr lange im sogenannten Gleichgewicht , bis Schwarz meinte er müßte 23....f5?? spielen. Denn nun hatte sein Springer nach 24.f3 kein vernünftiges Rückzugsfeld mehr, und Weiß bekam Einbruchs Möglichkeiten auf der e-Linie.
An Brett 5 verteidigte sich Claas Spanke mal wieder in seiner für ihn typischen Caro Kann Manier. Es kam eine Art Abtausch Variante auf das Brett, bei der Weiß begann immer langsamer zu spielen durch diverse Bauernzüge und unser Claas hatte jetzt nach 17.Kh2? schon einen deutlichen Vorteil . Aber auch in dieser Partie schwanken die Waagschalen sehr wild hin und her. Nach 40.Lg1 ?? vom Gegner wäre sogar ein Matt in 6 Zügen möglich gewesen. Aber Claas wollte es halt noch etwas spannender halten....
Brett 6 war wieder mit Michael Brockmann besetzt, der wie schon am vergangenen Spieltag in Herborn seinen Gegner mit kriegerischem Potential vernichten sollte.
In der Symmetrie Variante der Nimzowitsch Larsen Eröffnung sah dies erstmal nicht unbedingt nach Gemetzel aus. Es wurden erstmal streng nach Vorschrift alle Figuren entwickelt und dann schaut man mal.
Schwarz versuchte im 19. Zug mit Dg6? eine Art Pseudo-Angriff zu starten, was aber total nach hinten losging. Michi spielte 20.Ld3 und Diehl meinte, man kann manchmal durchaus in einer Fesselung verharren.....aber dieses Mal kostet Schwarz dieses Verharren eine Figur und der Schwarzfelder auf b7 flog durch die Luft.
In der Zwischenzeit hatte Michael Ranft seine 3 Schwerfiguren auf der f-Linie vertrippelt und Schwarz hatte den nun folgenden Drohungen gegen seinen schwachen König nichts mehr entgegenzusetzen. 1:0 SSG !
Da aber nun Michael Brockmanns Stellung an Brett 6 trotz der Mehr-Figur zu kollabieren drohte, hielt Buseck die Spannung weiterhin hoch. Das einzige Problem in Michis Stellung war die Matt-Drohung auf h2 .
Darauf spielte natürlich sein Gegner und nach dem folgenschweren 27. Le4 ?? war die Stellung wieder ausgeglichen und sein Gegner bekam zusätzlich noch enormes Spiel gegen den König .
Eine solche Stellung verteidigen zu müssen , ist ein bekanntes Phänomen bei Schachspielern und auch hier dann leider....1:1
Aber die SSG hat ja zum Glück mehrere heiße Eisen im Feuer und unser Sascha zeigte in seiner Partie ein tolle Endspieltechnik mit seinen 2 Freibauern im Turmendspiel ( habe es Pc geprüft....fehlerfrei!! ) und Schwarz gab auf. 2:1 SSG !
Am Brett 1 dachte ich nach dem Abtausch auf e5, die Stellung wieder im Griff zu haben, und konnte sogar den Bauern auf e5 gewinnen. In meiner Berechnung war allerdings eine Lücke und 22. Lf4 ! hatte ich total unterschätzt. Denn jetzt musste ich die Qualität opfern mit Txd3.
Dies war aber noch nicht das Ende der Fahnenstange, denn mein Gegner verlor ein wenig den Faden und ließ sich die Bauern am Damenflügel nahezu auffressen.
Das große Übel war allerdings meine akute Zeitnot ( ca. 3 min für 11 Züge...Sascha schrieb schon die Züge mit).
Laut Computer hatte ich die Stellung sogar wieder komplett ausgeglichen, wenn da nicht das einzügige Matt auf f8 wäre, was ich übersehen hatte. 2:2
Jetzt liefen also bei Gleichstand noch 2 Partien und beide Partien waren zu diesem Zeitpunkt klar gewonnen für unsere Jungs!
Aber es kommt ja bekanntlich immer etwas anders....
Während Silas in einem Leichtfiguren-Endspiel mit 2 Mehrbauern den Sieg fast wieder her schenkte (Gegner übersah im 50.Zug Lxd 3 !! 50...cxd3 51. f4 + !! mit Ausgleich), gab es auf Brett 5 ein Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern zu bestaunen und 2 Freibauern für unseren Claas. Und die bekannten 2 Finger passten zwischen die Bauern........aber auch unser Claas war in absoluter Zeitnot ( ich habe dann bei Ihm mitgeschrieben). Und als alle dachten, das ist jetzt ein Selbstläufer und Claas deckt den einzig verbliebenen Bauern auf dem Brett, geschah etwas merkwürdiges. Claas spielte Lg8?? und ließ sich diesen Bauern schlagen , Daniel Stehl brüllte Remis und Michael Ranft bekam einen Tobsuchtsanfall am Brett......keine Sorge Claas.....das ist spaßig gemeint... kennt bestimmt jeder von uns.
Postwendend verlagerte sich jetzt das Spielgeschehen nach Brett 3, denn nun galt die volle Aufmerksamkeit Silas Hölß.
Wenn man bedenkt , dass Silas einen nicht so guten Start in die Mannschaftskämpfe hatte, war die Abgeklärtheit in dieser Partie beeindruckend. Viele hätten sich vielleicht schwer getan, den b-Bauern zu opfern, aber danach steht Silas total auf Gewinn und der Computer bestätigt diese tolle Abwicklung. Silas stellte zwar den materiellen Ausgleich wieder her, aber jetzt ist der eigene König zu stark auf dem Brett. 3,5 : 2,5 !!! Sieg
Fazit:
Wahrscheinlich erlebte die SSG 2 die größte Drama/Auferstehungsgeschichte in der bisherigen Saison.
Es ging praktisch hin und her. Lob auch an die Jungs von Buseck, die tapfer dagegen gehalten haben.
Es gab alles zu bestaunen was es im Schach so gibt: Zeitnotphasen unter 5min , gewonnene Stellungen die nicht gewonnen wurden, Endspiele, in denen etwas Technik fehlt, einzügige Matts, die übersehen werden und total abgezockte Spieler der SSG, die sich zum verdienten Matchwinner gemacht haben, siehe Brett 3. Das Momentum in dieser Saison wechselt immer mal zwischen unseren Brettern , das hält natürlich die Spannung in jedem Spieltag hoch und es gibt immer was lustiges zu schreiben.
Ich werde mir in Zukunft nach dem Spieltag sämtliche Partien abfotografieren , damit ich eine schnellere Analysegrundlage habe für die Nachberichte, falls das ok ist.
Habe auch weitestgehend alle Partien nochmal Engine geprüft, um ein wenig mehr über die Partien schreiben zu können.
An alle Beteiligten nochmal herzlichen Dank für diesen spannenden Sonntag, auch an alle, die dann zum zuschauen gekommen sind. Das macht auch unseren Verein aus.
Wünsche Euch viel Spass beim Lesen von diesem wieder mal etwas überzogenen Nachbericht und vielleicht gibt es ja ein paar Zeilen, die man für die Zeitung rausziehen kann.
Natürlich müssen wir als SSG weiterhin die Konzentration hoch halten , denn ich glaube, die etwas kniffligen Spiele stehen uns noch bevor.
Das erklärte Ziel, beide Mannschaften eine Klasse höher zu schrauben, sollten wir natürlich alle im Auge behalten. Denn z.B. in der BZOL gibt es dann auch wieder 8 Bretter zu besetzen.
So Zeit für das Ende.
Es lebe die glorreiche SSG !!
Euer Mf Björn Stiller