Spielbericht

Bezirksliga Lahn-Eder 2024/25 am 9. Februar 2025*
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Biebertaler SF 3 - SSG Hungen-Lich 2

_Hallo Schachfreunde der SSG!_

Am vergangenen Sonntag landete unsere 2. Mannschaft den nächsten Paukenschlag in Biebertal und stürmt in der neu formierten Bezirksliga weiter von Sieg zu Sieg.

Dass wir wieder in kompletter Besetzung angetreten sind, war wichtig,denn Biebertal mit Ihren vielen jungen Spielern im Kader ist manchmal eine Wundertüte.

Die Aufstellung des Gegners kam uns auch ein wenig entgegen,denn die Jungs aus Biebertal meinten, taktisch Brett 1 und 2 tauschen zu müssen. Hinterher ist man bekanntlich immer schlauer, aber vielleicht war das der entscheidende Fehler.

Aber der Reihe nach.

Brett 1

Hier konnte ich meinen Gegner in einer sehr seltenen Variante der schottischen Verteidigung schon nach 8 Zügen in eine Verluststellung locken. Objektiv betrachtet könnte Schwarz hier nach  6.Sb5?! eine bessere Stellung erreichen ,allerdings sind die besten Züge hier für einen Menschen am Brett kaum zu finden und es lauern an jeder Ecke neue Fallstricke. Bender versuchte, die für Ihn wohl bis zum 5.Zug bekannte Stellung weiter am Brett zu lösen und griff im 8.Zug fehl.

Weiß drohte hierbei die Qualität durch Sxc7+ zu gewinnen und in seiner Verzweiflung opferte Schwarz seine Dame im 9.Zug. Aber für nur 2 Figuren ist dies ein eher fragwürdiges Geschäft......

Brett 2

Michael Ranft bekam es mit dem DWZ stärksten Biebertaler Ulrich Zalewski zu tun. Es kam eine Variante der Pirc - Ufimzef Verteidigung auf das Brett , wo Michael sich ganz gut auskennt. Zalewski spielte einen Großteil der Partie mit einem schönen Weißvorteil, konnte diesen allerdings nicht in irgendetwas zählbares ummünzen. Michael hatte gegen Ende die Partie dann sehr ausgeglichen gestalten können und  einen schönen gedeckten Freibauern auf e4. Da jedoch noch  keinerlei Figuren getauscht wurden , war dieser  Bauer für Weiß eher kein Problem. Nach dem Damentausch im 29.Zug verflachte die Partie dann sehr schnell und die Computerbewertung gab hier vollen Ausgleich .

Brett 3

Hier spielte Silas Hölß wieder mit viel Selbstvertrauen bewaffnet und stellte mit Weiß einen " Italiener" aufs Brett . Sein Gegner spielte diese Eröffnung sehr ungenau und Silas hätte nach 6....Lb4+ schon deutlichen Vorteil bekommen können, allerdings sollte man hier besser den Tausch der schwarzfeldrigen Läufer  vermeiden und  7.Sc3 spielen.  Weiß hatte zu diesem Zeitpunkt ein schönes Zentrum und einen deutlichen Raumvorteil.

Brett 4

Auch Manuel Hölß befindet sich momentan in einer super Verfassung und killt seine Gegner mittlerweile schon aus der Eröffnung raus.

Es kam das wohl bekannte Vierspringerspiel auf das Brett , wo Weiß eigentlich im 4.Zug Lb5 bzw. d4 spielen sollte. Zumindest wären das die besten Züge, um den Eröffnungs Vorteil zu behalten.

Aber auch Koleber, Michael scheint schon nach 4 Zügen aus dem Buch gewesen zu sein und spielte 4.Lc4? Dass dieser Zug den gesamten weißen Vorteil über Bord wirft, sollte man normalerweise kennen,denn nach 4.....Sxe4 gleicht Schwarz sofort aus.

Der Partie entscheidenden Fehler folgten dann auf dem Fuß. Nach 7.Sxe5? war Die Eröffnung noch nicht einmal richtig abgeschlossen und Weiß kann objektiv betrachtet schon aufgeben.

Brett 5

Sascha Nitz bekam es hier mit Simon Oertel zu tun, der immerhin alle seine vorher gespielten Partien gewinnen konnte.

Dass auch hier wieder ein "Engländer" auf das Brett kam, war nicht anders zu erwarten. Unser Sascha bestreitet diese Eröffnung schon sehr lange und es ist nicht leicht, gegen ihn zu spielen.

Bis zum 11.Zug war nicht allzu viel los, aber der rückständige Bauer von Schwarz auf d5 wäre eine schöne Schwäche, auf die man hätte spielen sollen. Allerdings konnte Schwarz nach dem ungenauen 11.e3? diesen Schwächling auflösen und hatte nun sogar schon einen kleinen Vorteil.

Da aber auch Oertel anfing etwas ungenau zu spielen, schwanken die Waagschalen ein wenig hin und her.

Brett 6

Hier spielte unser Claas mit ein klein wenig Frust im Bauch und wollte nach dem letzten Spieltag etwas Wiedergutmachung betreiben. In einer Variante der Slawischen Verteidigung baute Claas sich wie immer sehr solide auf und konnte nach dem etwas merkwürdigen Springer Rückzug nach e2 von Weiß sogar etwas Vorteil verbuchen. Dieser Vorteil vergrößerte sich im Laufe der Partie....

In der Zwischenzeit merkte mein Gegner am 1.Brett, dass sein fragwürdiges Damenopfer ihm nichts gebracht hat und Schwarz immer mehr in die Defensive gedrückt wurde.. Bender hatte überhaupt kein Gegenspiel, seine Türme waren weit voneinander getrennt. Das größte Problem war jedoch sein exponierter König, der in der Mitte gefangen war.

Schließlich opferte ich noch eine Qualität. Jetzt war der schwarze König gegen Dame und Turm vollkommen schutzlos und....1:0 !

Nur ein wenig später konnte Manuel am 4.Brett  ebenfalls die Weichen auf den Sieg stellen. Zwar hatte Koleber noch kein Material weniger, aber auch hier wurden zu viele Tempos verschenkt und für die Rochade war es einfach zu spät. Dass der gegnerische König im Zentrum festhing, nutzte Manuel eiskalt aus.

Alle Figuren wurden schlussendlich mit eingebunden und Schwarz gab auf.

Es stand jetzt 2:0, man konnte den Vorsprung schon als komfortabel bezeichnen.

Am 6. Brett spielte Claas seine Partie mit schönem Vorteil.

Allerdings wollte er nach dem letzten Spieltag das Schicksal nicht überstrapazieren.

Vor dem 2:0 gab es schon einmal ein Remisangebot von seinem Gegner. Da dies jedoch zu früh war, sollte Claas erstmal weiterspielen.

Und nach dem Motto " Lieber den Spatz in der Hand , als die Taube auf dem Dach" und unter Berücksichtigung aller noch laufenden Partien, wurde das Remis schließlich fixiert.

Während Biebertal also den Vorsprung nicht reduzieren konnte, spielte sich am 5.Brett ein kleines Drama ab.

Unser Sascha hat es tatsächlich geschafft, seinem Gegner alle Bauern am Damenflügel aufzufressen und nach dem fragwürdigen 20....Tb4? hat Weiß sogar eine theoretische Gewinnstellung erreicht.

Der Preis dafür war jedoch das Läuferpaar gegen sich und eine plötzlich geöffnete H-Linie mit enormem Gegenspiel. Auch hatten sich die weißen Figuren ein wenig verirrt und Schwarz setzte alles auf eine Karte und baute  sich ein trickreiches Matt Motiv, was Sascha zu spät kommen sah.

Denn gegen einen Läufer auf f3 in Verbindung mit dem Turm auf h1 kann man nix mehr tun. Hier noch eine kurze Anmerkung, als Verteidigung wurde später Lf1 diskutiert allerdings verflacht die Partie dann zum Remis,denn hier hätte Sascha die Qualität geben müssen. Richtig wäre tatsächlich Lf2! Und nun gewinnt Weiß!

Biebertal hielt also die Spannung noch etwas hoch und verkürzte auf 2,5 : 1,5

Es liefen also noch 2 Partien und an Brett 2 mit Michael Ranft hätte man unter anderen Umständen durchaus weiter spielen können aber da die SSG immer noch vorne lag und Silas doch eher optisch besser stand als schlechter , habe ich Michael geraten das Remis Angebot von Zalewski anzunehmen. Michael hätte mit Lc3 zwar einen Mini-Vorteil erreichen können, allerdings wäre dieser kaum sichtbar gewesen und es gibt statistisch ja immer ein Risiko so eine Partie doch noch aus der Hand zu geben.

Es stand also 3:2 und wir konnten auf keinen Fall mehr verlieren.

Wieder einmal wurde von interessierten Schachfreunden Brett 3 angesteuert, wo Silas Hölß schon aus der Eröffnung heraus einen Bauern durch ein kleines taktisches Motiv gewinnen konnte. Ein wenig ungenaues Spiel  führte jedoch im 12.Zug dazu, dass dieser Vorteil wieder verspielt wurde.

Der Punkt ist einfach erklärt. Auch hier gab es einen König, der sein Zentrum einfach nicht verlassen wollte und den hätte man mit der Dame auf dem Brett zwingend weiter belagern sollen. Silas tauschte jedoch die Damen, was nicht erzwungen war, und Schwarz glich die Stellung komplett aus.

Trotzdem war die Stellung mit Weiß leichter zu spielen und es gab immerhin den Mehrbauern noch. Erschwerend hinzu kam noch, dass sich Leonard mit seinem König ziemlich ungeschickt anstelle und zu allem Überfluß noch in ein verlorenes Bauernendspiel abwickeln ließ !

Silas zeigte weitestgehend eine sehr dominante Partie und der Sieg war mehr als verdient. 4:2 SSG!

Fazit:

Wieder einmal zeigte sich , dass das am Anfang der Saison aufgestellte Stammpersonal immerhin in der Lage ist, seit dem 2. Spieltag die SSG 2 auf Platz 1 der neu formierten Bezirksliga zu halten. Und das war bestimmt kein Selbstläufer!  Lob nochmal an alle Beteiligten , die auch nach Misserfolgen zu Beginn wieder in die Spur gefunden und alles gegeben haben am Brett. Es ist auch schön zu sehen, wie sämtliche Remisangebote vorher kurz besprochen werden, bevor man Sie vorschnell annimmt. Ich weiß , Michael, du hättest gerne weitergespielt. Danke Dir auch nochmal! Das zeigt auch, dass die Mannschaft  großen Teamspirit hat. Nach dem Motto " Einer für alle, alle für Einen".

Man gewinnt und verliert ja schließlich zusammen. Was kann man also nach 5 vollendeten Runden mitnehmen?

Die SSG thront weiter unangefochten auf Platz 1 , die Konkurrenz lässt ständig reihenweise Punkte und reduziert die direkten Konkurrenten auf ein Minimum.

Mit 10 MP und 19,5 BP nach ungefähr Halbzeit....es hätte auch schlechter laufen können.

Gladenbach mit 8MP und Rauschenberg mit 7MP sind wohl die einzig verbliebenen Gegner um den Aufstieg. Der Rest ist mehr oder weniger abgeschlagen.

Da 2 Mannschaften wohl aufsteigen, sollten wir versuchen mindestens einen dieser Konkurrenten zu besiegen.

Aber erstmal müssen wir nach Heuchelheim, wo ein Sieg eigentlich Pflicht ist, denn das ist einfach das zahlenmäßig schwächste Team auf dem Papier.

Glückwunsch an alle Beteiligten, die zu diesem tollen Ergebnis beigetragen haben.

Ebenfalls Gratulation an die SSG 3 für den deutlichen Sieg!

Es lebe die glorreiche SSG!!

Euer MF Björn Stiller