Bezirksliga Lahn-Eder / Kreisklasse 2024/25 am 9. März 2025*
*SC Heuchelheim 2 - SSG Hungen-Lich 2*
*SSG Hungen-Lich 3 - Königsberg 2
Wieder einmal ging ein nervenaufreibender Spieltag zu Ende .
Während die SSG 3 mit 1:3 in Königsberg unter die Räder kam, musste am vergangenen Sonntag auch das bisher so zuverlässig punktende Schlachtschiff der SSG 2 den 1. Mannschaftspunkt in dieser laufenden Saison abgeben. Am Ende trennte man sich dann 3:3 Unentschieden.
Unterm Strich war dieses Unentschieden sogar noch etwas schmeichelhaft, denn nur das Spielglück am Ende und der unbedingte Willen der wieder erstarkten Familie Hölß war es zu verdanken, das sich eine drohende Niederlage gegen den vermeintlichen Außenseiter aus Heuchelheim noch abwenden ließ.
Also es gibt wieder mal viel zu berichten aus diesem 5. bzw. 6. Spieltag .
Aber nun der Reihe nach.
Da ich von dem Spielverlauf in Königsberg keinerlei Kenntnisse habe, kann ich hierzu auch nicht allzu viel sagen. Nur soviel, dass sich unsere 3. Mannschaft auf Grund der vielen Neuzugänge, die auch immer wieder wechseln an den beiden letzten Brettern, noch finden muss und die Kids erstmal genug Spielpraxis sammeln sollen, um vielleicht in der nächsten Saison schon einen Schritt nach vorn machen zu können. Und auch unser Frank Ohly hat ja sehr lange aktiv kein Schach mehr gespielt und das benötigt natürlich auch noch Spielpraxis. Aber was ich da bisher im Training gesehen habe, sieht schon sehr vernünftig aus. Und nochmal Glückwunsch an die beiden ersten Bretter ( Marko und Frank ) zum halben Punkt.
Kommen wir nun zur 2. Mannschaft.
Da die Erwartungen und eigene Ambitionen gegen Heuchelheim sehr groß waren, fuhr die SSG 2 eigentlich mit ziemlich breiter Brust nach Heuchelheim, um jedoch schon nach kurzer Zeit am Brett feststellen zu müssen, das diese vermeintlich lockere Mission wohl doch kein Selbstläufer wird.
Aber der Reihe nach:
Hier kam das mir wohl bekannte und sehr scharfe, angenommene Morra-Gambit aufs Brett. Weiß opfert einen Bauern und hofft auf deutlichen Entwicklungsvorsprung. Nachdem Schwarz Lc5 und Weiß Lf4 gespielt haben, befinden wir uns in einem seltenen Abspiel dieses Gambits. Nach einigen ungenauen Zügen beiderseits, hatten wir totales Chaos auf dem Brett und ich meinte mit dem Opfer Angebot 14.Sd5? die Stellung deutlich verschärfen zu müssen. Mein Gegner nahm das Opfer an, was auch korrekt war, denn objektiv betrachtet ist Sd5 im Morra - Gambit immer eine Möglichkeit ins Risiko zu gehen, jedoch war dies hier leider an der falschen Stelle. Jetzt musste ich meine Kompensation schon deutlicher nachweisen als gedacht.
Michael Ranft mit Schwarz, das bedeutet, man bekommt in der Regel gegen alles d6 und c6 vorgesetzt ! Ein etwas passiver Aufbau, aus dem Michael später mit e5 das Zentrum aufbrechen möchte. Ein Stockfisch geprüftes Vorgehen, das unterm Strich dann wieder ausgeglichen ist.
In dieser Partie jedoch hatten wir eine Art schlechten Philidor auf dem Brett, wonach Schwarz nach den Anfangs Zügen ( e1.e4 d6 2.d4 Sd7 3.Lc4 e5 4.Sf3 h6 5.dxe5 dxe5) schon mehr oder weniger auf Verlust stand! Hätte Michaels Gegner 6.Lxf 7! gefunden, wäre es sehr schwer geworden.
Aber auch Gruhn spielte ungenau und rochierte kurz, anstatt die Stellung zu verstehen. Nach der kurzen Rochade war alles wieder auf Anfang.
Dies war das Brett, an dem die "jungen wilden" aufeinander trafen. Silas gegen Grote,Simon.
Man bekam hier einen sizilianischen Drachen Aufbau zu sehen, wo Silas im 6.Zug etwas passiv C3 spielte.
Hier hätte man durchaus mit 6.c4 !die bekannte Maroczy Zange aufbauen können mit schönem Vorteil.
So kam es dann, wie es kommen musste, nachdem beide Spieler rochiert hatten, glich Schwarz mit d5 nicht nur aus, sondern stand schon deutlich besser.
Auch hier wurde in der Holländischen Eröffnung, was durchaus Manus Steckenpferd ist, erstmal Theorie ausgepackt. Dann aber ein kleiner, aber folgenschwerer Fehler von Schwarz.
Manu spielte h6, um bekannterweise den König auf h7 zu verstecken, allerdings wurde hier eine Taktik im Zentrum übersehen. Weiß sah dies und konnte erstmal einen Bauern gewinnen und sich noch nach 20.f4 ! einen schönen Vorposten verschaffen. Von außen sah die Stellung noch spielbar aus , objektiv betrachtet stand Manu jedoch auf Verlust. Weiß spielte aber ungenau und als sich auf der offenen g Linie alle Türme getauscht hatten meinte Rinsland er müsse seinen Mehr Bauern aus unerklärlichen Gründen einfach mal zurückgeben. Dabei hätte 33.Kg2 den durchaus noch deutlichen Vorteil behalten.
Hier ging unser Sascha ein klein wenig angeschlagen in das Match. Es kam natürlich wieder ein Engländer aufs Brett, denn mit 1.c4 ist unser Sascha voll in seinem Element und spielt diese Eröffnung rauf und runter mit Weiß.
Wahrscheinlich kennt sich da auch keiner besser aus als Du . Am Sonntag war es dann wieder mal die Symmetrie Variante, wo Schwarz sich jedoch Königsindisch aufbaute. Aber auch in dieser Partie bekamen wir einen Eröffnungsfehler zu sehen. Schwarz hatte seinen Läufer nach g4 gestellt und zog diesen nach dem logischen 12.h3 nach f5 zurück. Man hätte hier zwingend auf f3 schlagen müssen. Denn nach 12...Lf5 ? spielt Weiß hintereinander d5 und dann g5 ( Reihenfolge spielt keine Rolle) und steht auf Grund des enormen Raumvorteils praktisch auf Gewinn!
Da Stammspieler Claas Spanke diesmal fehlte, sprang wieder mal unser Michi Brockmann für ihn ein.
Auch hier konnte man einen Sizillianer bestaunen. Michi baute sich hier ebenfalls mit der Drachenvariante auf und hätte im 8.Zug eigentlich mit d5 sofortigen Ausgleich gehabt. Zumal der weißfeldrige Läufer von Weiß auch noch auf c4 stand. Dann wäre d5 sogar mit Tempo gekommen. So kam es dann auch hier zu einer taktischen Fehleinschätzung der Stellung und Schwarz spielte stattdessen 10....f5 ?
Dies war dann zu viel des Guten, denn nach 11.exf5, was nicht mal das Beste wäre, hätte man auch hier noch mit d5 das Gleichgewicht halten können. Allerdings versagten Schwarz hier ein wenig die Nerven und Michi spielte 11....Txf 5 ??. Die jetzt folgende taktische Abwicklung verlor einfach zu viel Material und Schwarz gab auf.
Jetzt musste die SSG das erste Mal in dieser Saison einem Rückstand schon zu Beginn des Matches hinterherlaufen. Keine gute Ausgangslage. Aber sehen wir weiter.
In der Zwischenzeit konnte sich Michael Ranft am Brett 2 trotz einiger Komplikationen wieder in eine Stellung manövrieren, die objektiv nah am Ausgleich war. Jeder der beiden Spieler hatte noch 3 Leichtfiguren, die alle mehr oder weniger auf der jeweils vorletzten Reihe gefangen waren.
Nachdem beide Spieler die Türme getauscht hatten und das Zentrum komplett vernagelt war, bot Andreas Gruhn Remis an, dies war natürlich auch taktisch klug, denn so behielt Heuchelheim die Führung.
Nach kurzer Absprache nahm Michael das Remis an, denn auf Sieg zu spielen wäre viel zu riskant gewesen und das gab die Stellung auch nicht her.
Es kam jetzt aber noch heftiger für die SSG, denn auch die Stellung am Brett 5 drohte zu kollabieren. Sascha hatte eigentlich alles im Griff und es wurde ein wenig herum laviert, um sich bestmöglich zu positionieren.
Beide Spieler versuchten irgendwie die Stellung zu öffnen. Weiß warf seine Bauern am Damenflügel nach vorne und Schwarz bereitete den sehr trickreichen Vorstoß e5 vor und bekam auch noch einen schönen Vorposten auf c4.
Man hätte wahrscheinlich das Schwarze Gegenspiel auf der E-Linie unterbinden müssen, z.B. mit Tec1! Aber Sascha spielte Te2? und versuchte, den starken Springer auf c4 abzutauschen. Aber jetzt ist e5 !! der Game Changer für Schwarz und es geht zwingend Material verloren. 2,5 : 0,5 für Heuchelheim. Die Heuchelheimer rieben sich wohl verwundert die Augen, wie einfach es war, gegen uns zu punkten.
Eines war jetzt klar, es musste ganz schnell an irgendeinem Brett ein voller Punkt her.
Und so lagen jetzt erstmal die Hoffnungen am 1.Brett auf MF Stiller.
Hier gab es für mich nur ein Ziel, den gegnerischen König irgendwie zu erlegen, denn immerhin hatte ich eine Figur aus der Eröffnung raus geopfert.
Man muss sich die Stellung mal so vorstellen, dass der Schwarze König auf d8 sein Rochade Recht verloren hat, beide schwarzen Türme noch in Ihrer Ausgangsposition standen, und Weiß einen Turm auf der E und einen auf der C Linie stehen hat. Objektiv hatte mein Gegner trotzdem eine Gewinnstellung auf dem Brett . Kai Lickfers hätte das ganze noch abrunden können, indem er mich gezwungen hätte ,die Damen zu tauschen.
Allerdings übersah er dies und gab mir wiederum die Möglichkeit, meinen Fehler zu korrigieren. Es folgte noch ein kurzer Abtausch eines Turmpaares und wir landeten in einer Stellung, die mich an eine der vielen Lichess Studien erinnert hat, wo man mit weniger Material eine fantastische Abwicklung finden soll.
Und man halte sich fest, tatsächlich gab es so eine in meiner Partie! Mehrere Schachs führten dazu, dass mein Gegner seine Dame opfern musste, um nicht Matt gesetzt zu werden. ( 2 Damen an 2 Spieltagen, kann ich leben mit)
Das hatte mich dann wieder so beflügelt, dass ich mir sicher war, diese Partie zu gewinnen. Schwarz war zwar mit Turm und Läufer und einen Mehr Bauern immer noch in der Remis Breite aber wenn man in so eine Taktik hineingelaufen ist, und sich gegen die Dame mit Ihren vielen Möglichkeiten wehren muß, ist die Konzentration und der Glaube nicht mehr ganz so stark. Mein Gegner spielte nicht gut weiter und sein offener König trug auch nicht dazu bei. Schlussendlich konnte ich Kai Lickfers mit meiner einzigen Schwerfigur noch niederringen und die SSG wieder nahe an den Ausgleich bringen. Nur noch 2,5 : 1,5 für Heuchelheim.
Es waren zu diesem Zeitpunkt noch 2 Partien am Laufen und objektiv betrachtet sah es an diesen 2 Brettern nicht unbedingt nach vollen Punkten aus.
Es musste aber noch irgendwie ein voller Punkt her, koste es was es wolle.
Nach kurzer Absprache entschied sich Familie Hölß, "all in" zu gehen und dies sollte sich noch auszahlen....
Kommen wir also zu Brett 4, wo Weiß seinen Mehrbauern zurückgegeben hat und sich dadurch in eine schwierig zu spielende Stellung gebracht hat.
Weiß wollte jetzt auch noch die Damen tauschen und war wohl mit einem Remis zufrieden. Das Angebot, die Damen zu tauschen, lehnte Manu ab, wobei schon der Tausch eine Gewinnstellung gewesen wäre für die SSG!
Einen Zug später schätzte Rinsland die Stellung erneut falsch ein und tauschte schließlich die Damen. Der schwarze Fehler war wohl, zu glauben, die entfernte Mehrheit gewinnt immer. Dies wäre in einem möglichen Bauernendspiel auch der Fall gewesen,allerdings hat man hier die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Manu hielt den Springer auf dem Brett, dieser kontrollierte die entfernte Mehrheit, um ihn dann im richtigen Moment nach vorn zu schicken, zur Unterstützung der beiden verbundenen Freibauern im Zentrum! Ich muss schon sagen, was hier in der 1.Partie Phase falsch gemacht wurde, ist um so mehr im Endspiel richtig gemacht worden!
Das war richtig stark gerechnet am Ende. Tolle Leistung und jetzt 2,5 : 2,5 Ausgleich! Ist halt wie im Fußballspiel, dauert auch 90min.
Kommen wir jetzt zur letzten laufenden Partie auf Brett 3.
Hier müssen wir uns nochmal dringend ein paar Grundideen in der Sizilianischen Eröffnung anschauen.
Denn so früh das Feld räumen und freiwillig d5! zulassen ist nicht so gut. Denn damit gleicht Schwarz nicht nur meistens aus, sondern steht schon besser!
Dies soll keine Kritik sein, sondern nur eine Anmerkung, dass man sich besser mit guten Zügen dagegen stemmt.
Denn nach 7.c4 kann Schwarz die geplanten Vorstöße d5 bzw. b5 erstmal für lange Zeit nicht durchdrücken.
Ist halt ein Nachteil im Drachen Aufbau. (In Zukunft bitte c4 statt c3 , und Weiß steht gut)
Auch in dieser Partie kämpfte Silas sehr lange mit stumpfen Waffen aus der Eröffnung heraus und konnte sich erst im Endspiel konsolidieren beim Kampf um den halben Punkt.
Hier hatten wir ein Turm/Läufer gegen Turm/Springer Endspiel auf dem Brett mit einem fetten Freibauern für Schwarz auf d5. Das diese Partie für die SSG nicht verloren ging, war zweierlei Dingen geschuldet, einmal das Unvermögen von Grote,Simon diesen Bauern auch zur Dame umzuwandeln, was möglich war und der Tatsache, das eine Fam.Hölß immer sagt, "Es ist dann vorbei, wenn es vorbei ist."
Was am Ende noch witzig war, ist der Umstand, dass ein Abwickeln in ein Bauernendspiel hoffnungslos verloren war für Silas. Es waren praktisch noch 2 Türme, die Könige und jeweils 2 Bauern auf dem Brett.
Beide Spieler tauschten relativ schnell ohne groß nachzudenken die Schwerfiguren und gaben sich die Hand.
Hätte aber Simon nur einen Moment inne gehalten vor dem Handschlag, hätte er vielleicht gesehen, dass sein König eines der Schlüsselfelder vor seinen Bauern erreichen kann und das wäre gewonnen.
Das haben wir später beim kurzen Nachspielen mit der Engine gesehen.
3:3 in Heuchelheim!
Das war ein sehr schmeichelhafter Punkt, wenn man mal bedenkt, dass es praktisch an jedem Bett zu irgendeinem Zeitpunkt eine Verluststellung für die SSG gab.
Was diesmal sehr ungewöhnlich war, ist die Tatsache, dass alle Fehler, die zum Verlust hätten führen können, fast ausschließlich in der Eröffnung passiert sind. Das hab ich so bei uns noch nicht gesehen.
Dann steht man natürlich gleich mit dem Rücken zur Wand. Es war jetzt auch nicht so, dass Heuchelheim wie ein Gewinner-Team gespielt hat. Ich würde eher behaupten, dass sich die SSG am Sonntag fast selbst gekillt hätte. Zum Teil der Wahrheit gehört aber auch, dass viele SSG-ler in der 2. Mannschaft schon eine ordentliche Turniererfahrung haben. Und man hat in einigen Partien dann feststellen können, dass die Heuchelheimer das halt nicht haben.( Gibt keine Partien von denen in irgendeiner Datenbank). Denn kein einziges Brett von Heuchelheim, das mit Vorteil ins Endspiel gegangen ist, konnte dieses für sich entscheiden.
Aber sei es drum , Mund abputzen und weiter gehts in der 7. Runde gegen Rauschenberg. Das wird dann nochmal ne andere Nummer. Denn die nächsten beiden Spieltage geht es gegen 2 mögliche Aufstiegs Konkurrenten. Die Fehler vom Sonntag sollten wir dort möglichst vermeiden.
Alles in allem trotzdem ein vielleicht am Ende ganz wichtiger Punkt um den Aufstieg. So bleibt die Liga jetzt doch noch etwas spannend und es rückt da vorne alles näher zusammen. Aber man gewinnt und verliert ja praktisch immer nur zusammen.
Also an alle, die am Sonntag verloren haben bzw. Punkte gelassen haben, Kopf hoch, die Wolke der SSG schwebt auch in schlechten Zeiten und an schlechten Tagen über Euch. Und Glückwunsch an alle, die das Ruder für die SSG am Ende noch rumgerissen haben. Danke an alle nochmal, die sich wie immer bis zum Schluss für die SSG aufgerieben haben und auch an diejenigen , die zum Zuschauen gekommen sind, um die SSG zu unterstützen. Abgerundet wurde das Ganze, wie so oft, mit einem tollen Abschlussessen in Hüttenberg.
Es lebe die SSG
Euer MF Björn Stiller