Spielbericht

Bezirksliga Lahn-Eder 2024/25 am 30.März 2025*
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SF Kirchhain-Rauschenberg - SSG Hungen-Lich 2

Hallo Schachfreunde der SSG !

Am vergangenen Sonntag bog die SSG 2 wahrscheinlich schon Richtung Aufstieg in die Bezirksoberliga ab ! Daheim in Hungen ließ das 2. Schlachtschiff der ruhmreichen SSG wieder mal nichts anbrennen und fegte die Schachfreunde aus Kirchhain-Rauschenberg mit 4:2 aus dem Kultursaal in Hungen. Was etwas verwunderlich war, ist die Tatsache, dass die Kirchhainer mit nur 5 Spielern angetreten sind. Brett 4 wurde nicht besetzt. Wenn man noch Aufstiegs- Gedanken hat, sollte man solche Umstände vermeiden, aber hier kann man eh nur spekulieren. Die SSG sollte sich nur auf sich selbst konzentrieren. Es begann also 1:0 für die SSG und das nahm natürlich auch ein wenig Druck aus der Sache. Aber wie immer der Reihe nach.

Brett 1

Hier musste ich mich selbst gegen den stärksten Kirchhainer wehren und stellte gegen seinen Engländer mit "c4" das trickreiche "b6" in Verbindung mit "Lb7" auf das Brett. Meine Idee war hier klar, Weiß das Zentrum mit "c4","d4",und "e4" besetzen lassen und mit "Lb4" und evtl. "f5" die Diagonale "a8 - h1" zu schwächen. Allerdings spielte Stahnke "f3" im 5.Zug und das ist wohl auch am stärksten. Viele Weiß Spieler greifen hier nämlich fehl und spielen andere Züge, was schon leicht besser für Schwarz ist. Ich spiele jetzt nicht ganz korrekt weiter und meinte direkt mit 5.."d5"? das Zentrum attackieren zu müssen. Davon sollte man jedoch an dieser Stelle die Finger lassen.......aber erstmal weiter zu Brett 2.

Hier behandelte Michael Ranft die Eröffnung mit Weiß hervorragend. Er stellte seinem Gegner in einer Variante der Pirc-Ufimzew Verteidigung 3 fette Zentrums Bauern vor die Nase und bekam sogar noch die Möglichkeit, seinen "d" Bauern mit "c3" zu decken! Weiß hatte nach grad mal 8 Zügen eine Stellung auf dem Brett, von der andere nur träumen können und die der Computer mit fast +2 Bauerneinheiten schon als theoretische Gewinnstellung bewertet. Ich spiele ja auch sehr oft gegen Pirc, aber hier ist bei Schwarz irgendwas mächtig schief gelaufen. Aber anstatt sein Zentrum stehen zu lassen und  mit z.B. 9."Le3" weiter zu verstärken, tauschte Michael auf wundersame Art und Weise den "e" Bauern ab und hatte plötzlich eine katastrophale Bauernstruktur im Zentrum  und der Vorteil war dahin.

Schwenken wir nun zu Brett 3 , wo der deutlich jüngere Part der Familie Hölß mit den schwarzen Steinen gegen Heller,Alexander ran musste.  Silas kam  mit mächtig Rückenwind von immerhin 2,5 Punkten aus den letzten 3 Spielen nach Hungen und dies sollte sein Gegner zu spüren bekommen. Es kam ein sehr seltenes Abspiel der sizilianischen Verteidigung auf das Brett, wo sich beide Spieler Königsindisch aufbauten. Die weiße Stellung sah jetzt nicht unbedingt bedrohlich aus für Silas, denn Weiß strebte einen eher geschlossenen Aufbau mit "c3" an. Die Partie drehte sich sehr lange um die 4 Felder im Zentrum , wo sehr viele Figuren beteiligt waren. Es war dann schließlich Weiß, der die Stellung im 15.Zug deutlich verschärft.  Heller spielte trotz kurzer Rochade 15. "g4" !  Dieser Zug kam mit Tempo und der Computer schlug hier verrückte Züge vor mit Schwarz. An dieser Stelle hätte die Partie auch zu Gunsten von Kirchhain kippen können, aber ein nicht erzwungener Abtausch der weißfeldrigen Läufer stellte die Uhren praktisch wieder auf Null.

Brett 4

An Brett 4  gibt es diesmal leider keine Stellung zu beurteilen, denn dieses Brett ging ja kampflos an die SSG .

Manu, Dein Text muss noch warten bis Gladenbach.

Brett 5

Skandinavisch pur , was bedeutet, Sascha spielt mit Schwarz. Weiß spielte die ersten Züge eigentlich ganz ordentlich und baute sich erst mit "Sf3" auf und später erst "Sc3", wonach die Dame  nach "d6" ging, was wohl das Beste ist. Obwohl Röhrig die Eröffnung nicht misshandelt hat, konnte man trotzdem das Gefühl haben, dass er die Stellung nicht verstanden hat. Immerhin hatte Weiß noch den Vorteil einer halben Bauerneinheit auf Grund des Anzuges. Und auf den Zug "d4", der in den Stellungen, wo Schwarz sich mit "c6" und nicht "Sc6"! aufbaut,  zwingend nötig ist , wartete man vergeblich.

Weiß spielte im 8.Zug "d3"?, was zwar den Läufer befreit, aber an Passivität kaum noch zu unterbieten war. Es folgten weitere Fehleinschätzungen der Stellung und Röhricht meinte, jetzt auch noch mit "a3" und "b4" am Damenflügel spielen zu müssen. Dabei gab es immerhin diese wunderschöne halboffene "e"-Linie, die man durchaus hätte nutzen können. Die Krönung dessen war dann ein Abtausch im Zentrum, der die "e" Linie komplett frei legte. Hier wäre es allerdings besser gewesen für Schwarz im 13.Zug "cxd "an statt "exd" zu spielen, um auf der halboffenen "c"Linie etwas unter Beschuß zu nehmen. Dies war jedoch kein großer Unterschied. Sascha stand hier schon besser.

Brett 6

Und zu guter Letzt: Claas Spanke an Brett 6 mit Weiß.

Claas baute sich wie so häufig  nach den 2 Anfangszügen "d4" und "d5"  mit  "g3" und "Lg2" auf und hoffte auf einen katalanischen Aufbau von Schwarz. Michael Leis wusste entweder nicht, was Katalanisch im Schach bedeutet bzw. er misshandelte diese Weltmeister-Eröffnung völlig und stellte seinen Springer nach c6 ??. Man könnte ja immer noch der Meinung sein, Schwarz plant eine Art Zugumstellung, allerdings nicht mit dem komischen Zug 5....b6? Man bedenke ...Weiß hatte vorher 5.c4! gespielt und nun muss man sich ernsthaft  fragen, was dieser Springer auf "c6" zu suchen hat. denn nach dem logischen cxd5 , was Claas auch spielte, steht der schwarze Springer einfach nur ungedeckt in der "c" Linie. Claas blieb mit Sc3 weiter auf dem Gaspedal und Leis verlor jetzt vollkommen die Kontrolle. 7..."Lb4" Der nächste schlechte Versuch, den"c"Springer zu fesseln, verhindert zwar erst einmal , das Weiß den "d" Bauern schlagen kann aber nach 2 weiteren ungenauen Zügen flog nach "Da4+" jene Figur weg, die meinte ein zweites Mal ziehen zu müssen. Mit ner Figur mehr im Gepäck spielt es sich natürlich auch wie von selbst und das Endspiel war hoffnungslos 2:0 SSG !

Das war natürlich im Vergleich zum letzten Spieltag in Heuchelheim ein sattes Polster und die nächsten Punkte sollten nicht lange auf sich warten lassen.

Brett 5

An Brett 5 gab es für Eröffnungs Junkies etwas Lustiges zu sehen. Die halboffene "e" Linie, die im Skandinavier eigentlich von Weiß als Stützpunkt genutzt wird, um seine Angriffe mit Se5 zu koordinieren. war jetzt komplett offen und wurde mehr oder weniger von Schwarzen Schwerfiguren belagert.

Weiß stellte sich mit allen was er an Schwerfiguren hatte dagegen und man könnte meinen Schwarz wäre hier Weiß.

Aber der kritische Punkt der Stellung sollte noch kommen, denn Saschas Stellungsbewertung war einfach Klasse. Er wickelte wie ein kleiner IM in ein Leichtfiguren-Endspiel mit schwarzfeldigem Läufer gegen weißen Springer ab. Schon mit dem Tausch der Damen war das weiße Schicksal besiegelt.

Man schaue und staune, denn obwohl das Material nach dem Damentausch ausgeglichen war, sagt die Engine Bewertung -4,8 Bauerneinheiten für Schwarz! Dies war wohl dem Umstand geschuldet, dass einige weiße Bauern auf schwarzen Feldern standen und es außerdem Bauern auf beiden Flügeln gab.

Schlussendlich entschied der freigelassene "g" Bauer die Partie . Dies wollte sich Röhrig nicht mehr zeigen lassen. 3:0 SSG !

So eine fette Führung hatte die SSG 2 bisher noch nie und es sollte noch besser kommen.

Denn es ging jetzt Schlag auf Schlag. Als ob irgendein Orakel die Jungs ab Brett 3 beschworen hätte, doch heute nochmal ordentlich Gas zu geben, denn an Brett 1 und 2 könnte es diesmal schwierig werden.

An Brett 3 kämpfte Silas, bei ausgeglichener Stellung im Mittelspiel, auch um den vollen Punkt. Heller hatte eigentlich in der Eröffnung nicht so viel falsch gemacht und einen schönen Raumvorteil im Zentrum erspielt, jedoch standen sich die weißen Figuren ein wenig selbst im Weg. Man könnte auch behaupten, die Aktivität sieht anders aus. Dem Computer gefiel das schwarze Spiel zunehmend besser und Silas stellte seine Figuren auf schöne Felder und machte jetzt ordentlich Druck. Auch zog Weiß seine Bauern im Fahrwasser seiner schlecht positionierten Figuren viel zu früh nach vorne und Silas ging schlussendlich mit 2 Mehr Bauern in ein gewonnenes Endspiel und drohte den 3.Bauern abzuholen. Weiß gab auf 4:0 :

Das könnte man auch als Wiedergutmachung vom letzten Spieltag nennen. Der Sieg war eingetütet und was blieb, waren 2 laufende Partien an den Spitzen Brettern, wo Brett 1 ums Remis kämpfen musste und Brett 2 eine eigentlich gewonnen Stellung nur gewinnen musste.

Doch es kam anders.

An Brett 1 habe ich mich durch den Zug "d5" in eine schlechte Stellung manövriert. Trotzdem war der weiße Vorteil noch nicht gewinnbringend. Mein Gegner schaffte es jedoch, mich mit jedem Zug weiter zu beschäftigen und zwang mich im 19.zug mehr oder weniger zur langen Rochade, wo im nächsten Zug gleich "a4" folgte. Man bedenke, ich hatte einen Bauern auf "a6" und den 2. auf "b5". Eine Festung sieht anders aus. Mein Gegner hatte also auf der "a" Linie die Türme verdoppelt und ich versuchte mein Gegenspiel auf der "e" Linie mit Dame und Turm. Und genau dort gab es einen letzten Weg zum Remis.

Ich konnte durch ein Damenschach auf "e3" seinen König nach "h1" locken, wo er evtl. Grundreihenmatts ausgesetzt  ist. Jedoch ging ich zu forsch an die Sache heran. Das Damenschach auf e3 war ausreichend, denn jetzt darf sein Turm die Grundreihe nicht verlassen. Aber hier spielte ich zu ungeduldig und gab das Schach auf 27..".De1+".

Das war der Fehler, der die Partie entschied, denn jetzt konnte Weiß "Sf1" spielen und die Dame muss von der Grundreihe wieder runter und kann diese wegen des Turmes auf "b1" auch nicht mehr betreten. Aber diese Partie war extrem kompliziert und selbst der Computer war sich bis hierher nicht sicher, wie groß der weiße Vorteil eigentlich genau ist. Aber nachdem ich die wohl einzige Chance zum Remis ausgelassen hatte, spielte jetzt nur noch Weiß und die lange Rochade flog mir buchstäblich um die Ohren. 4:1 .

Es lief also noch eine Partie am 2.Brett und nachdem Michael Ranft in der Eröffnung praktisch mehrere Matchbälle zum Sieg ausgelassen hatte und sogar die "d"Linie mit seinen Schwerfiguren erobern konnte, wurde es wild. Es gab sehr viele Ungenauigkeiten auf beiden Seiten und praktisch im 22.Zug wendete sich das Blatt und Michael verlor etwas den Faden . Im Übergang zum Endspiel gab es eine Abtausch Kombi, bei der sich Michael wohl verrechnete und in eine Verluststellung geriet. Schwarz hatte jetzt 2 Bauern mehr und ja das spielt man natürlich erst einmal weiter, aber eine weitere taktische Verwicklung sorgte dann für das Aus, denn jetzt musste Weiß auch noch seine letzte Leichtfigur abgeben und Michael gab auf. Manchmal ist es wie im Fußball, wenn Du den Sack nicht zu machst, machen es die anderen.

Fazit.

In Heuchelheim fast noch mit leeren Händen dagestanden, gab es diesmal eine Art Erdrutsch-Sieg in Hungen. Wenn Du gegen einen direkten Aufstiegs Konkurrenten schon vorzeitig mit 4:0

uneinholbar in Führung liegst und fast noch das 5.hättest machen könne, dann gibt es eigentlich nur einen echten Aufstiegskandidaten und der kommt aus Hungen. In Heuchelheim wurde noch um den einen Punkt gekämpft und am letzten Sonntag fegte die SSG wie ein Tornado über Kirchhain- Rauschenberg.

Die letzten beiden Spieltage waren so nach dem Motto. " Einer für alle- Alle für einen".

Einen richtigen Matchwinner gab es diesmal eigentlich nicht, denn die Punkte flogen überspitzt formuliert, im Sekundentakt der SSG in den Schoß.

Da kann man auch von 3 Matchwinnern sprechen. Brett 3 , 5 und 6 haben diesmal Bestleistungen abgerufen. Brett 2 muss sich aber auch nicht ärgern. Michael, wir wissen, dass Du es kannst, aber manchmal ist der Teufel ein Eichhörnchen und irgendetwas läuft schief.

Jeder SSG-ler hat irgendwie seine eigene Art zu spielen.

Das ist immer ganz interessant zu beobachten.

Michael spielt z.B. mit Weiß deutlich stärker aus der Eröffnung raus.

Bei Silas und Manu liegen die kleinen Problemchen vielleicht in den verschiedenen Eröffnungsideen.

In den verschiedenen Endspielen und  beim Thema Rechnen ist Fam. Hölß in der Regel immer auf der Höhe und hat schon tolle Siege dadurch eingefahren.

Für Sascha gibt es 2 Grundsätze im Schach . Englisch mit Weiß und den Skandinavier mit Schwarz. Und ein gutes Verständnis darin.

Man muss nicht alles können, aber das wenige besonders gut.

Und sein Turmendspiel gegen Buseck war praktisch fehlerfrei.

Unser Claas ist eigentlich ein " Wühler" am Brett.

Solide hinstellen mit Schwarz und schauen was geht.

Ein paar Defizite in den Endspielen, allerdings seit geraumer Zeit mit tollen Ideen im Mittelspiel, besonders auffällig mit Weiß.

Man könnte auch Claas 2.0 sagen. Weiter so.

Der Esel immer zuletzt. Mein Steckenpferd ist halt die Eröffnungstheorie mit all Ihren Facetten.

Das hat mir schon viele Elo-Punkte und Brettpunkte gesichert.

Allerdings ist grundsätzlich mein Problem, dass ich schon unzählige gewonnene Stellungen nicht gewinne bzw. nur ins Remis abwickel.

Da finde ich dann, wie unser Gerd immer sagt, den "Ausmacher" nicht.

So genug der Rede, Zeit schlafen zu gehen.

Danke an alle SSG-ler für Ihren tollen Einsatz am Sonntag und nochmal Glückwunsch zum verdienten Sieg.

Lasst uns das Thema Aufstieg jetzt wirklich ernst nehmen.Wir stehen nur einen MP davon entfernt und den gilt es vielleicht schon, gegen Gladenbach einzutüten.

Es lebe wie immer die glorreiche SSG !

Euer MF Björn Stiller

Berichte der Saison 2024 / 2025