__Hallo Schachfreunde der SSG !__


Es ist also vollbracht, am vergangenen Sonntag krönte sich die 2. Mannschaft unserer ruhmreichen SSG vorzeitig zum Meister der Bezirksliga und zerlegte den Mitaufstiegsfavoriten aus Gladenbach in seine Einzelteile.

Mit der vielleicht besten Saisonleistung spielte die SSG 2 ganz groß auf und gewann 5,5 : 0,5 !!

Lediglich an Brett 2 wurde ein halber Punkt abgegeben, wer hätte das gedacht. Entweder waren die Jungs aus Gladenbach überhaupt nicht auf dieses Match eingestellt oder liefen ihrer Form buchstäblich hinterher. Man konnte an den meisten Brettern feststellen, dass es für die SSG kaum eine spürbare Gegenwehr gab. Es fühlte sich jedenfalls nicht so an, als würde man gegen den immerhin Zweitplatzierten der Bezirksliga spielen. Mein Gefühl bestätigte sich später noch, als ich mir die Partien daheim angeschaut hatte. Es war teilweise haarsträubend, was Gladenbach da auf das Brett stellte.

Aber wie immer der Reihe nach.


Brett 1


Ich spielte wie immer relativ selbstbewusst 1."e4" und schaute , was da wohl kommt, denn auf Olaf Schmidt konnte ich mich nicht vorbereiten, da über Ihn nix zu finden war.

Es kam die skandinavische Verteidigung mit 3...."Da5" auf das Brett, wo ich wieder ein wenig Theorie auspacken konnte.  Da mein Gegner aber nicht die Hauptvariante mit 5..."Lg4" wählte, sondern sich für 5..."Lf5"  entschied, konnte ich später mit 11."Sh4" diesen Läufer gegen einen Springer tauschen.

Ich wollte pragmatisch und ohne großes Risiko spielen und sicherte mir erst einmal das Läuferpaar und ein wenig Initiative.

Die Stellung war jedoch sehr lange ausgeglichen und es wurden so gut wie keine Fehler auf beiden Seiten gemacht. Nachdem alle Schwerfiguren und die Damen getauscht wurden, hatten wir ein interessantes Endspiel auf dem Brett, wo ich mit dem Läuferpaar spielen durfte und mein Gegner keinerlei Gegenwert für seinen Doppelbauern auf der "g Linie" hatte.


Brett 2


Hier musste sich Michael Ranft gegen den "Engländer" von Hertel Wolfram behaupten und baute sich mit Schwarz mit seiner Engine geprüften Variante in altbekannter Manier auf. Michael stellt praktisch seine Bauern auf "c6" und "d6", den Damenspringer auf "d7" und bereitet  im Prinzip gegen alles "e5" vor.

Weiß spielte in dieser Partie ein Doppelfianchetto und bis zum 15.Zug war auch noch alles in Ordnung. Allerdings führten jetzt ein paar passive Züge von Michael dazu, dass Weiß seine Stellung immer mehr verstärken konnte und den Bauern auf "d6" unter Beschuß nahm. Michael hatte auch keinerlei Gegenspiel , was es natürlich nicht einfacher machte. Nach einigen Abwicklungen auf der "f" und "e" Linie bekam Hertel jetzt auch noch ein gefährliches Spiel gegen den schwarzen König und die schwarze Stellung drohte zu kollabieren.


Brett 3


Hier sollte sich ein vorher abgesprochener Tausch für die SSG auszahlen. Da Silas ungern gegen ein mögliches "französisch " spielen wollte, übernahm unser Dr. Hölß dieses Brett. Prof.Kummer griff aber zu seiner 2.Waffe und spielte mit dem 2. "d5" Skandinavisch. Allerdings konnte von einer echten Waffe in keiner Phase der Partie die Rede sein. Normalerweise spielt Schwarz "Dxd5" oder "Sf6" um den Bauern später mit dem Springer zu nehmen. Kummer spielte jedoch anders und ließ im  4.Zug das Läuferschach auf "b5" zu seinen Ungunsten zu, denn jetzt war "c6" nicht mehr so einfach möglich, da der weiße Bauer immer noch auf "d5" stand. Anstatt wenigstens das Zentrum mit "e6" anzugreifen, folgten weitere ungenaue Züge von Kummer und Manu konnte sogar den Bauern auf "d5" relativ einfach mit "c4" decken. Nach 7."Lxd7"! stand Schwarz praktisch schon auf Gewinn und die Eröffnung war noch nicht einmal abgeschlossen.


Brett 4


Hier spielte MF Jens Koch, immerhin der zweitstärkste Gladenbacher, gegen den jüngeren Part der Fam. Hölß.  Wie bereits prognostiziert, spielte Koch im 1.Zug "Sf3" und nach 1...."c5"  und ein wenig Zugumstellung hatten wir eine Art Drachenvariante der sizilianischen Eröffnung auf dem Brett, wo sich Weiß Königsindisch aufbaute.

Dies sieht man relativ selten und Schwarz hat hier weniger Probleme als in den anderen Haupt Systemen. Aber auch hier konnte man erahnen, dass Jens Koch die Eröffnung nicht verstanden hat. Silas konnte problemlos "d5" durchsetzen und bekam nach 9..."e5" 10."Sxc6" 10...."bxc6" auch noch ein Voll Zentrum.

Hier braucht Weiß über den Anzugsvorteil nicht mehr nachdenken, denn Schwarz steht hier bereits sehr gut. Aber die weiße Stellung war noch spielbar, die Frage , die sich stellt, ist nur, wie gut spielbar.


Brett 5


An diesem Brett bekam es Sascha mit Daniel Schwichtenberg zu tun. Natürlich gab es im 1.Zug , wie man es nicht anders erwartet, "c4". Beide Spieler wählten einen Königsindischen Aufbau mit dem Fianchetto Ihrer Königsläufer. Beide  entwickelten erst einmal  Ihre Figuren und stellten sich solide auf.

Ein Plan, der für beide Spieler sofort ins Auge fällt, könnte sich an den Bauernketten orientieren, die in jeweils verschiedene Richtungen zeigen.

Schwichtenberg nahm sich dies zu Herzen und zog ein Spiel am Damenflügel auf, was durchaus korrekt war. Anstatt sein Gegenspiel im Zentrum zu suchen, reagierte Sascha zum Teil nur auf die Züge des Gegners, was eine ganze Weile nicht schlimm war, da sich die Stellung immer noch in der Remise Breite bewegte. Allerdings nur bis zum 17.Zug, als Schwarz einen kostenlosen Durchbruch am Damenflügel bekam und mit der Schwäche auf b3 jetzt auch noch ein Angriffsziel .


Brett 6


Claas Spanke musste sich mit Ersatzspieler Nicolas Martinschledde (der wirklich so heißt) duellieren. Nach den Zügen 1."e4" "c6"  2."c4" "d5" 3."cxd" "cxd "4."exd" "Dxd5" hatten wir eine Caro Kann Variante auf dem Brett, mit einem Mehr Tempo für Weiß. Auch hier kippte die Partie eigentlich schon im 10. Zug, da Schwarz ohne erkennbaren Grund Lxf 6 ! spielte. Zumindest schien es sehr fragwürdig , sich so früh vom Läuferpaar zu trennen. Ein paar weitere ungenaue Züge von Weiß im Zentrum führten dazu, dass Claas hier schon auf Gewinn stand. Weiß hatte zwar noch kein Material weniger, allerdings war diese Stellung jetzt sehr schwer zu spielen und Weiß ließ auch noch den schwarzen Springer nach "c4", einen mächtigen Vorposten für Claas. Dieser Springer sollte dann auch der Gamechanger werden. Claas drohte jetzt allerlei, darunter auch einen Doppelangriff mit dem Springer auf mehrere Figuren und Weiß musste nach nur 19 Zügen die Qualität geben.


Trotz alledem, stand für beide Teams lange Zeit erstmal noch die Null. Allerdings sollte sich dies schlagartig ändern. Man könnte meinen, dass Claas mit der Qualität mehr, sehr schnell den 1.Punkt für die SSG einfährt, aber es kippte vorher eine andere Partie zugunsten der SSG.

Am 5. Brett ist Sascha eigentlich in eine schwierige Stellung geraten, wo man objektiv gesehen um das Remis kämpft. Im 20. Zug stand die SSG an diesem Brett sogar auf Verlust, denn Schwichtenberg hatte jetzt alle Schwerfiguren auf der "b"-Linie vertrippelt und droht nun den Bauern auf "b3" zu gewinnen.

Aber manchmal passieren ganz komische Dinge im Schach. Bei dem Versuch, etwas Material auszutauschen, spielte Schwarz plötzlich 22..."Ta5" ??? und übersah mit diesem Zug einfach ein Damenschach, was den blanken Turm einstellt. Es stand also aus dem Nichts 1:0 für die SSG!

Am 6. Brett schleppte sich der Ersatzspieler aus Gladenbach noch ein paar Züge über das Brett. Claas ließ mit der Qualität mehr jetzt auch nix mehr anbrennen. Eine Fesselung im Zentrum, an der der weiße König beteiligt war, führte dann zum Gewinn einer ganzen Leichtfigur und Weiß gab auf.


Es stand also 2:0 und auch wenn eine Partie doch etwas schmeichelhaft für die SSG entschieden wurde, fehlte jetzt objektiv betrachtet nur noch ein voller Punkt zum Aufstieg.


Schwenken wir also an die anderen 4 Bretter.

Und der so wichtige 3.Punkt sollte am 4. Brett eingefahren werden. Dadurch dass Jens Koch es zugelassen hat, dass Silas ein Voll Zentrum aufbauen konnte, entwickelte sich eine Stellung mit einem fetten Freibauern auf der "d"-Linie, den Silas noch mit 21..."c4" stützen konnte. Die weiße Stellung war hoffnungslos und zwar aus 3 Gründen. Weiß hatte sich viel zu schnell von seinem einzigen Verteidiger, dem Läufer auf g2 getrennt, sein Königsflügel war mittlerweile offen wie ein Scheunentor und es gab keinerlei Gegenspiel für Jens Koch. Weiß schaffte es zwar noch in ein Turmendspiel abzuwickeln aber auf Grund eines weiteren Freibauern auf der "a"-Linie, der sich auf den Weg zur Grundreihe machte, war alles hoffnungslos. 3:0 SSG ! Würden wir eine andere Sportart als Schach betreiben, hätte es nach dem 3.Punkt wohl einen Aufschrei aller SSG-ler gegeben. Denn mit diesem Punkt war der Aufstieg perfekt und nahm auch ein wenig Druck aus den letzten laufenden Partien.


Was sich an Brett 3 schon in der Eröffnungsphase abzeichnete, setzte sich im späteren Partie-Verlauf fort. Kummer hatte die skandinavische Verteidigung vollkommen misshandelt und konnte von Glück reden , dass Dr.Hölß im 8.Zug seine Stellung nicht weiter verbesserte und das etwas fragwürdige 8. "g4" ? spielte. Zwar ist "g4" im Skandinavier immer eine Option, aber in dieser Stellung, wo Weiß den "d" Bauern behalten hat, wäre es besser gewesen einfach zu rochieren oder "Sc3" zu spielen. Aber Prof. Kummer war seiner Spielstärke in dieser Partie nicht würdig und missbrauchte die schon schlechtere schwarze Stellung weiterhin. Der  weiße Raumvorteil im Zentrum war schon unheimlich und daran änderte auch der 11...."0-0-0" nichts mehr. In seiner Verzweiflung bot Schwarz noch den Damentausch an aber dies machte alles noch schlimmer. Manu stand jetzt komplett auf Gewinn. Das Endspiel ist hier leicht erklärt Turm und Springer für Schwarz und Turm und Läufer für Weiß, wobei der Läufer eklig auf b6 steht und das Umwandlungsfeld des fetten Freibauern auf d7 kontrolliert. Dies wollte sich Prof. Kummer dann nicht mehr antun und gab auf.

4:0 für die SSG und für Gladenbach bahnte sich ein Debakel an. Wem wollten die Jungs erzählen, dass man als Mitfavorit um den Aufstieg zu Hause gegen die SSG 4:0 hinten lag?


Am 2. Brett musste Michael Ranft leider eine hoffnungslose Stellung noch irgendwie versuchen zu halten.

Hertel stand praktisch ab 22....Lf7 auf Gewinn , denn der Königsflügel von Michael war das Problem in der Stellung.

Hertel schaffte es hier noch, den schwarzen König vollkommen freizulegen, alle Schwerfiguren bis auf einen Turm auszutauschen und mit einem Turm und 2 verbundenen Freibauern in ein Endspiel zu gehen.

Leider konnte ich dieses Endspiel nicht komplett analysieren, da ab Zug 28 das Partieformular nicht korrekt weitergeschrieben wurde bzw. ich es nicht lesen konnte.

Aber man muss fairerweise sagen, dass Weiß nach dem Abtausch der Schwerfiguren total auf Gewinn stand. Eine komplette Endspiel Bewertung kann ich nicht machen, allerdings sahen die 2 verbundenen Freibauern von Hertel auch nicht rosig aus.

Michael meinte, das Endspiel im späteren Verlauf wäre remis gewesen. Das wäre ja dann super, wie sich unser Michael dann nochmal aus der Schlinge ziehen konnte. Schlussendlich einigten sich beide Spieler auf ein Remis, da Hertel zu diesem Zeitpunkt mit nur noch einem Mehrbauern die Stellung auch nicht mehr spielen wollte.


Es stand also 4,5 : 0,5 für die SSG und Gladenbach beging mit dem halben Punkt etwas Schadensbegrenzung.


Kommen wir zu guter Letzt noch zu Brett 1.

Was wollte ich eigentlich für ein Ergebnis in dieser Partie?

Zu Anfang hätte ich durchaus ein Remis unterschrieben, wenn es  im Sinne der Mannschaft gereicht hätte.

Hier war die Situation aber leicht erklärt, die SSG war bereits aufgestiegen und ich konnte und wollte noch was für das Ergebnis und das eigene Ego tun.

Wir hatten ja beide in ein Leichtfiguren-Endspiel abgewickelt, wo ich das Läuferpaar hatte, ein wenig Initiative und die Schwäche des schwarzen Doppelbauern auf der "g"-Linie.

Die Computerbewertung war hier noch ausgeglichen mit leichtem weißen Vorteil. Mein Gegner schätzte das auch so ein und bot remis, was ich ablehnte.

In dieser Partie konnte man sehen, wie wertvoll ein Läuferpaar sein kann, wenn man die Stellung öffnet.

Ich schob meine Bauern am Königsflügel vor und konnte den schwarzen Springer komplett aus dem Spiel nehmen, dies war wohl auch der Schlüssel, denn so spielte Schwarz nur mit einer Leichtfigur.

Die Stellungsverbesserung war eher schleichend und grobe Patzer hatte mein Gegner auch nicht gemacht. Jedoch war sein König sehr weit weg vom Geschehen im Zentrum . Mein eigener König war schon in die gegnerische Stellung eingedrungen und ich schaffte es, eine Bauern Mehrheit am Königsflügel zu bilden, wo der "f" Bauer von Schwarz fallen wird und mein "g" Bauer wohl die Partie gewinnt. Schlussendlich lief mein Gegner noch in eine Fesselung im Zentrum, die dann durch Materialaustausch den Sieg sichern würde. Hier gab Olaf Schmidt schon auf. 5,5 : 0,5.


Fazit:


Was für eine Machtdemonstration der SSG am vergangenen Sonntag. Da kann es einem schon unheimlich werden, wenn man bedenkt, dass Gladenbach die ganze Zeit eine Art Angstgegner für die SSG war. Zumindest wurde das so kommuniziert. Aber Schach ist zum großen Teil auch Psychologie und dieser Psychologie waren die Jungs aus Gladenbach nicht gewachsen. Man darf aber auch nicht vergessen, dass viele SSG-ler, die zu Beginn der Saison ein wenig Schwankungen hatten, sich nicht nur gesteigert haben, sondern wahrscheinlich auch unter dem Strich ihre beste Saison spielen.

Zum Teil der Wahrheit vom Sonntag gehört aber auch, dass von außen betrachtet unser Gegner überhaupt nicht vorbereitet war. Vom Kopf her wohl nicht, aber auch schachlich war das teilweise katastrophal, was da gezogen wurde. Spieler wie Koch und Kummer sind zumindest in diesem Match nicht an Ihr eigentliches Niveau herangekommen und konnten unseren Jungs in keinster Weise das Wasser reichen.

Man kann ja Partien verlieren, aber wie hier reihenweise die Eröffnungen misshandelt wurden, in den Systemen, wo man sich eigentlich auskennen sollte, war schon haarsträubend.

Was schließen wir daraus? Nun, dass die SSG eigentlich jeden schlagen kann und wie man sieht und gesehen hat, kochte jeder nur mit Wasser.

Deshalb müssen wir uns auch in der Bezirksoberliga nicht und vor niemandem verstecken. Mit 2 kleinen Verstärkungen, die wir ja durch 2 Mehrbretter benötigen, sollte der Klassenerhalt erstmal das Ziel sein. Aber wenn die Mannschaft so auftritt, wie in der Bezirksliga, dann sehe ich da keine Schwierigkeiten. Ich möchte hier jedem Einzelnen zu seinem entscheidenden Anteil an diesem Aufstieg gratulieren und deshalb wird auch unter meiner Regie, wenn die Mannschaft das möchte, jeder Einzelne seinen festen Stammplatz in der Meisterschaft 2025/26 haben.

Über die 2 nötigen Zugänge sollten wir alle gemeinsam abstimmen bei einer Flasche Bier beim Vereinsabend.

Aber die Saison ist ja noch nicht zu Ende und am 11.05. 2025 gibt es noch das große Schaulaufen der SSG 2 beim Heimspiel gegen Butzbach.

Zuschauer sind wie immer willkommen.

Hier kann jeder SSG-ler frei und ohne Druck aufspielen und was für die eigene DWZ tun.

Aber wie heißt es immer so schön? Es werden keine Gefangenen gemacht und auch in diesem Spiel gibt es Punkte zu vergeben.

Lasst uns also gegen Butzbach die schon gute Saison zu einer Wahnsinns Saison machen und den Butzbachern zeigen, dass man dem BZL Meister in dieser Saison nicht das Wasser reichen kann.

Zum allerletzten Mal in dieser Saison wird das ruhmreiche Schlachtschiff der SSG also in den Krieg ziehen.


Es lebe der größte Schachverein aller Zeiten.


SSG Hungen / Lich


Euer MF Björn Stiller


Berichte der Saison 2024 / 2025