Spielbericht

Bezirksliga Lahn-Eder 2024/25 am 11. Mai 2025*
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SSG Hungen-Lich 2 - Butzbach

_Hallo Schachfreunde der SSG!_

Eine Saison der "Superlative" ist am vergangenen Sonntag zu Ende gegangen. Und als ob der bereits vor der letzten Runde feststehende Bzl / Meister nicht schon genug hätte, zerlegte die SSG 2 unter MF Stiller die SC Butzbach 1 mit 4:2 und stellte damit gleich eine weitere Bestmarke auf. Von 9 Spielen in der Liga wurden 8 gewonnen! Lediglich gegen Heuchelheim beim 3:3  gab man einen Punkt ab. Hier darf man zurecht behaupten, die Bezirksoberliga kann kommen. Denn das hat sich jeder Einzelne redlich verdient. 

Aber wie immer der Reihe nach.

Brett 1

Hier bekam ich es mit dem DWZ und Elo stärksten Butzbacher zu tun 

Ewald Berger spielt mit Weiß nix anderes als 1.c4. Und das schon seit Ewigkeiten. Das bedeutet, man kann sich gut vorbereiten.  Ich stellte  eine trickreiche Neben Variante mit 1..."b6" auf das Brett und wie man schon nach wenigen Zügen merken konnte, kannte mein Gegner das überhaupt nicht. Denn Berger verbrauchte in den ersten Zügen schon extrem viel Zeit, während bei mir  erst 9 min weg  waren. 

Im 9. Zug bot  ich eine vergiftete Leichtfigur zum Schlagen an. Da er das Opfer nicht annahm ( Glück für Ihn, das würde die Dame verlieren) , gewann ich einfach für Nichts den "d" Bauern und stand deutlich besser.

Brett 2

Michael Ranft bekam es mit Thomas Linsenbold zu tun und am Brett sah man 1.d4  d5 , 2.Sc3 ?! Lf5. Wahrscheinlich hatte Michael vor, das  Blackmare - Diemer  Gambit zu spielen, was aber mit Lf5 verhindert wird. Dies bezeichnet die Datenbank als Chigorin Variation. Möglich, dass sich Linsenbold da etwas angeschaut hat.

Das alles ist zwar äußerst selten zu sehen, sollte aber zumindest für Weiß kein Problem darstellen, denn es folgte jetzt 3.f3 e6 und nach 4.e4 Lg6 hätte Weiß durchaus mit Vorteil weiterspielen können, wenn er jetzt  5.h4 bzw. 5.exd spielt. Michael ließ sich aber das Zentrum ohne Not zerpflücken, tauschte den Läufer auf g6 und öffnete dem Gegner noch die "h" Linie.  Objektiv betrachtet konnte man bereits im 10. Zug von einer Verluststellung sprechen. Aber erst einmal zu den anderen Brettern.

Brett 3 

Familie Hölß spielte diesmal wieder an Ihren Stammplätzen  an 3 und 4. Silas bekam es am 3.Brett mit Woitzik, Joachim zu tun und es wurde wieder mal die sizilianische Drachenvariante ausgepackt. Was hier merkwürdig war, ist die Tatsache, dass Joachim scheinbar keinen offenen Sizi spielen wollte und sich mit "Lc4" und späterem "d3" aufbaut. Es wurde aber auch kein "c3" gespielt, sondern "Sc3". Alle Figuren waren in Lauerstellung, bis Zug 10 wurde kein einziger Bauer getauscht und Schwarz hatte auch bis hierher nichts falsch gemacht. Der Computer findet die schwarze Stellung sogar etwas besser, da nicht so richtig klar ist, was Weiß eigentlich vorhat. Im 11. Zug gab es endlich Feindkontakt im Zentrum und eine Abtauschorgie führte am Ende zu einer kleinen Mattdrohung am weißen Königsflügel. Die Stellung war aber nach der Verteidigung mit dem  Zug  14.g3 ausgeglichen.

Brett 4

Dr.Hölß bekam es außerplanmäßig mit Enrico Lusetti zu tun, da Wolfgang Keß kurzfristig ausgefallen ist und demnach alles ein wenig nach oben rückte. Dies sollte eine der längsten Partie des Tages werden und wir bekamen wieder einmal die Skandinavische Verteidigung zu sehen.Nach 1.e4 d5 2.exd Dxd5 spielte Manu 3.Sf3 statt Sc3. Diese Zugumstellung ist durchaus gleichwertig, denn "Sf3" will Weiß sowieso zeitnah spielen. Allerdings, nach dem 3..."Sf6" kam "c4"? und Weiß wirft seinen kompletten Anzugsvorteil wieder weg. Man sollte im Skandinavier gerade zu Beginn der Partie ein schönes Figurenspiel aufziehen, anstatt zu viele Bauern zu bewegen. Dies gilt jedoch für beide Spieler, die sich hier nicht so ganz an die Grundsätze der Eröffnung hielten.

Es passierte aber weiterhin nicht viel Spektakuläres. Hier und da schwanken die Waagschalen ein wenig nach beiden Seiten, aber ohne dass dies von einem der Spieler zum Vorteil genutzt werden konnte. Bis zum 32. Zug....und jetzt griff Lusetti fehl mit "Td5"??

Brett 5

Hier wurde es lustig, denn eigentlich vollzogen Claas und Sascha den Tausch am Brett, da Claas ungern gegen Frank Bruchmüller spielen wollte. ( Niederlage in der VMS) Denn dieser spielte sehr oft am 6. Brett. Da die Butzbacher aber einen Ausfall zu verzeichnen hatten, rutschte Ersatzspieler Bruchmüller jetzt an das 5.Brett und Claas bekam es doch mit Ihm zu tun. Das muss unseren Primagas Vertreter wohl so sehr angestachelt haben, dass er mit Herrn Bruchmüller diesmal kurzen Prozess machte, aber ich will nicht alles vorwegnehmen.

Nur soviel sei gesagt, diese Partie sollte nur 18 Züge dauern. Claas spielte hier gegen 1."c4" ebenfalls den Engländer mit "e6" und "b6". Dass diese Variante für Weiß sehr gefährlich werden kann, wenn er dies nicht kennt, konnte man in meiner Partie beobachten. Claas spielte "b6" jedoch nicht im ersten Zug, aber wenn man erst den Bauern nach "e6" spielt und "b6" folgen lässt, ist das lediglich Zugumstellung. Weiß hatte eigentlich bis zum 6.Zug alles im Griff. Aber statt weiter mit 7."e4" das Zentrum zu besetzen, strebte er mit dem Zug "b3" ein Doppelfianchetto an, was hier jedoch zu langsam war. Beide Spieler fanden in der Folge nicht die besten Züge, bis zu einem merkwürdigen Moment in der Partie.......

Brett 6

Aller guten Dinge sind ja bekanntlich 3 und diese 3 Dinge waren wirklich gut an diesem Finaltag. 3 mal die Englische Eröffnung an einem Spieltag hatten wir so auch noch nicht. Nach den Zügen 1."c4" "Sf6" 2."Sc3" "e6" 3".e4" befinden wir uns in der Flor-Mikenas Variante, aber Sickel war nicht im Bilde und zog 3... "Le7"? .Damit lässt er 4."e5" zu und der Springer muss wieder nach "g8". Vorteil Weiß ...eine Bauerneinheit. Ein paar Züge später war der schwarze Plan, "alle Leichtfiguren wieder auf die Grundreihe" und man könnte meinen, Weiß hat mehr Züge ausgeführt als Schwarz. Ganz nebenbei, nachdem der schwarzfeldrige Läufer wieder auf das Feld "f8" geschickt wurde, denn auf "e6" stand jetzt ein weißer Bauer, stand Sascha klar auf Gewinn. Genauer gesagt plus 7 Bauerneinheiten!

Schwenken wir ein Brett zurück, dort spielte Claas regelrecht mit Schaum vor dem Mund und für Frank Bruchmüller sollte diese Partie schon nach 18 Zügen zu Ende sein. Wie kam es dazu? Ich sprach ja von einem merkwürdigen Moment. Claas spielte im 13.Zug "b5"?? , was eigentlich ein Verlust Zug ist.  Es ging weiter mit dem 14. "Tfc1" und "b4"?? Das greift den Springer auf "c3" und den Bauern auf "a3" an. Weiß hätte hier einfach 15."Sxd5" spielen können, denn der schwarze Springer auf "c6" ist nun auch ungedeckt und könnte genommen werden. Aber aus irgendeinem unerklärlichen Grund meinte Bruchmüller, er muss den "a" Bauern retten , zog 15."a4"?? und ließ sich den Springer auf "c3"schlagen. Ein Blunder der obersten Kategorie. Frank schleppte sich noch ein paar Züge und gab auf. Als mir nach ca. einer Stunde das Ergebnis übermittelt wurde, dachte ich so....Claas hat das mit "in den Krieg ziehen" und die Kür heute wörtlich genommen. 1:0 SSG !

Schnell eingetütet wurde auch die Partie am Brett 6 für die SSG.  Es gibt hier nicht mehr viel zu erzählen...außer dass die schwarze Stellung hoffnungslos verloren ist und Hermann Sickel sich ein Matt in 11 nicht zeigen lassen wollte.....grins. Auch der Unterschied in der Spielstärke war hier am deutlichsten zu sehen . Hier muss man nach Betrachtung der Partie klar sagen, dass der Reservespieler von Butzbach nicht das Niveau bzw. die Spielstärke für die Bezirksliga hat. 2:0 SSG. Wie ich auch später erfahren habe, ist nicht nur bei der DB die Personallage angespannt, auch der SC Butzbach wohl hat große Probleme und kaum noch Spieler. 

Nachdem 2 Partien ziemlich schnell zu Ende waren, dauerte es eine Weile bis zur nächsten Entscheidung. Joachim Woitzik schien am 3.Brett auch nicht seinen besten Tag zu haben und hatte gegen den jüngeren Teil der Fam.Hölß einen schweren Stand im Sizilianer. Joachim konnte die Mattdrohung auf "h1" mit dem Zug "g3" abwehren, geriet aber jetzt auf Grund schlechter Züge am Königsflügel in Schwierigkeiten. Im 17.Zug spielte er "Se2", um die Dame von Silas anzugreifen. Jetzt konnte Silas scheinbar eine Figur mit 17..."Lxc4"  gewinnen, aber ganz so klar war der Gewinn nicht, denn es gab einen versteckten Gegenschlag mit 18."Df4"! Und Weiß rettet sich, denn jetzt hängen auch von Schwarz , Springer und Dame! Der Butzbacher Spieler sah dies jedoch nicht und die Figur war verloren. Ein paar Züge später hatte Weiß ein Einsehen und gab auf 3:0 SSG ! Stand jetzt war klar, die SSG wird in dieser Saison keinen einzigen Spieltag verlieren. Es ging jetzt nur noch darum, ob das in Heuchelheim mit dem 3:3 ein Ausrutscher war oder nicht.

Denn an Brett 2 mit Michael Ranft bahnte sich ein Punktverlust an. Hier gab es auf Grund der geöffneten "h"-Linie einen brutalen Feindkontakt , an dem mehrere Figuren beteiligt waren. Man muss hier fairerweise sagen, dass Thomas Linsenbold an diesem Tag wahrscheinlich der beste Butzbacher war. Denn diese lange Variante am Brett so zu berechnen mit einem Damenopfer, um dann die gegnerische Dame ebenfalls zu erobern und am Ende mit einer Leichtfigur mehr dazustehen, war wahrscheinlich stark. Zumindest sieht das der Computer so. Diese Partie lief zwar nicht gut für die SSG, aber das Anschauen diese langen Schlag und Abtausch Kombi lohnt sich allemal. Schlussendlich schleppte sich unser Michael mit einem Springer weniger durch das Endspiel und musste kurz vor einer Bauernumwandlung leider das Handtuch werfen. Nur noch 3:1 für die SSG!

Es liefen noch 2 Partien und es gab sogar ein Remis Angebot an Brett 1 von Butzbach. Denn hier war Ewald Berger in einer sehr schwierigen Situation. Sein Bauernverlust im Zentrum hatte zur Folge, dass er zumindest einen rückständigen Bauern auf der "d"-Linie aufs Korn nehmen konnte. Es gab jedoch keine vernünftigen Einbruchsfelder, da ich meinen Läufer noch auf "c6" stehen hatte. Berger verstärkte den Druck mit der Turm Verdoppelung und übersah den nächsten Einsteller. Der Bauer auf "f4" flog durch die Luft und es konnte nicht zurückgeschlagen werden, da sonst wieder die Dame weg wäre.

Trotzdem war die Stellung noch heiß , da Weiß immer mit Einschlägen auf "d7" drohte. Dies ließ ich dann auch geschehen, allerdings zu meinen Gunsten und jetzt gewann ich auch noch die Weiße Qualität durch ein tolles Manöver. Trotz Qualle und 2 Mehr Bauern fühlte sich die Stellung immer noch scharf an , den Berger hatte seinen Monster Springer im Zentrum stehen und den galt es zu beachten.

Hier griff ich jetzt fehl und spielte eine schlechten Damenzug. Die Bewertung sprang jetzt von minus 4 auf 0,00 . Der Grund war ein fantastisches Figuren Opfer, praktisch der einzige Zug zum Überleben und Berger fand ihn und bot mir Remis. Ich wusste erst gar nicht, was das soll, eine Finte, soll ich weiterspielen?

Berger hatte noch 1 min und 28 sek, ich noch 3.

Was soll ich sagen, ich hab das Remis angenommen, denn ich nahm an, dass es  zu viel Damenschachs zu berechnen galt und vielleicht gab es auch einen Matt für Weiß. Es gab zwar nix dergleichen aber objektiv auch keine Gewinnmöglichkeit. Also 3,5:1,5

Es war also vollbracht, das 3:3 in Heuchelheim war ein Ausrutscher, denn der Sieg war der SSG am 9.Spieltag nicht mehr zu nehmen.

Aber Dr.Hölß spielte noch und dies sollte die längste Partie des Nachmittags werden. Hier sind wir in einem Turmendspiel gelandet, in dem Lusetti im 32.Zug den ersten schweren Fehler beging. Anstatt die Bauern auf der 2.Reihe aufs Korn zu nehmen, beschäftigte sich Lusetti mit dem uninteressanten "c" Bauern und ließ sich von Manuel den "a" Bauern schlagen. Hier war die Stellung schon gewonnen für die SSG, aber mehrere fragliche Umstände führten dazu, dass der Damenflügel komplett bereinigt wurde und sich das Geschehen auf die andere Bettseite verlagerte. Dieses Turmendspiel hier komplett darzustellen, würde den Rahmen sprengen. Die Stellung ist einfach erklärt. Schwarz hat König und einen Bauern auf "h6", Weiß hat noch "f" , "g", und  "h" Bauer. Dies ist natürlich eine technische Gewinnstellung, aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es immer so eine Sache ist, mit der richtigen Technik. Hier sollten wir uns alle mal zusammensetzen am Donnerstag und uns mal ein wenig intensiver mit dieser Art Endspiel auseinandersetzen. Denn das kommt häufiger vor , als man denkt. Manuel verlor leider noch einen Bauern und ließ den gegnerischen König in die Stellung. Also gab es auch hier eine Punkteteilung. 

Dies war jedoch egal, denn das Endergebnis zählt. 4:2 heißt es am Ende und zu erwähnen sei noch am Rande, das Butzbach alle seine Weißpartien nicht gewinnen konnte und das Dr.Manuel Hölß die meisten Punkte für die SSG eingefahren hat.

Fazit:

Eine tolle Kür am letzten Spieltag. Eigentlich ging es ja um nicht mehr viel und trotzdem performte die Mannschaft so wie eigentlich die ganze Saison über, ohne auch nur im Ansatz nachzulassen. Von etwaigen Formschwankungen war schon lange nichts mehr zu sehen. Deshalb möchte ich nochmal wiederholen, dass es in der neuen Saison  jeder Einzelne auch verdient hat, in der Bezirksoberliga zu spielen.

Auch in der nächsten Saison wird man sehen, wo es für die SSG 2 hingeht. Realistisches Ziel ist wahrscheinlich erst einmal der Klassenerhalt und dann wird man sehen. Dass wir noch 2 Neuzugänge benötigen, ist klar, aber wer das sein wird, kann jetzt zu diesem Zeitpunkt eh noch nicht festgelegt werden. Vorschläge können natürlich gerne und zu jeder Zeit gemacht werden. Ich persönlich wäre eher dafür, die 2 fehlenden Bretter mit SSG Stammpersonal aufzufüllen (Vielleicht doch von der SSG 1 ?).

Ich kann natürlich die Jungs der 1.Mannschaft verstehen, wenn Sie lieber Landesklasse spielen möchten. Sollte sich jedoch niemand finden, der spielen möchte oder kann, muss man natürlich auch über andere Möglichkeiten nachdenken. Eine sehr interessante und wichtige Personalie für eines der 2 Bretter wäre meiner Meinung nach unser Tom Griebel. In ihm steckt unglaubliches Potential und er wäre eine Bereicherung für die 2.Mannschaft. Die abgelaufene Saison hat jedenfalls ne Menge Spaß gemacht und hat bei mir Lust auf mehr geweckt.

Spaß am Königlichen Spiel und Mannschaftlicher Zusammenhalt sollten natürlich immer an 1. Stelle stehen. Diesen positiven Eindruck hatte ich die ganze Saison über an jedem Spieltag. Danke nochmal an alle für diese tolle Saison.

Glückwunsch auch an die Jungs der 1.und 3.Mannschaft. Die SSG ist wieder aus der Versenkung verschwunden und präsentiert sich wieder total erstarkt. Man könnte sagen, SSG 2.0. Ein Dank auch an die beiden Schachfreunde Markus Benz und Manuel Hölß für die tolle Jugendarbeit in dieser Saison. Das bereichert die SSG enorm und rückt den Verein wieder in ein ganz anderes Licht. Die Wahrnehmung der SSG hat sich deutlich verbessert, meiner Meinung nach ein Quantensprung. Immerhin plant die SSG in der neuen Saison wieder 4 Mannschaften zu stellen, auch ein Zeichen, dass es in die richtige Richtung geht. Ich wünsche allen Schachfreunden der SSG eine möglichst stressfreie Saisonpause und vielleicht sieht man die meisten Jungs dann beim Sommerfest.

Es lebe die SSG !

Euer Björn Stiller

Berichte der Saison 2024 / 2025